Der Bundesverband Geriatrie spricht sich gegen eine föderale Aufgliederung der geriatriespezifischen Qualifikation der Ärzteschaft aus. Der Beschluss der Delegierten der Landesärztekammer Hessen zur Einführung einer „Zusatz-Weiterbildung Ambulante Geriatrie“ trägt nicht zu einer echten Verbesserung der Versorgung bei. Vielmehr besteht die Gefahr einer qualitativen Abwertung der bisherigen Vorgaben. Die grundsätzliche Stellungnahme des Bayrischen Hausärzteverbandes zur geriatrischen Versorgung der Patienten zeigt eine eingeengte Wahrnehmung der Versorgungssituation betagter Patienten.

Im März haben die Delegierten der Landesärztekammer Hessen beschlossen, in Hessen zusätzlich eine „Zusatz-Weiterbildung Ambulante Geriatrie“ einzuführen. Damit weicht die LÄK Hessen von der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer ab, die ausschließlich eine Zusatzbezeichnung „Geriatrie“ vorsieht.

Aus Sicht des Bundesverbandes Geriatrie ist es nicht sinnvoll, die geriatriespezifische Weiterbildung der Ärzteschaft weiter auf regionaler Ebene unterschiedlich zu regeln und dabei von den bundesweiten Empfehlungen der Bundesärztekammer abzuweichen. Auch in der Geriatrie sollte es ein mit anderen Indikationsbereichen vergleichbares gestuftes System der Qualifizierungen geben, wozu u.a. die Einführung einer Schwerpunktbezeichnung Geriatrie im Gebiet der Inneren Medizin sinnvoll wäre, wie dies von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie als zuständiger Fachgesellschaft gefordert wird.  

Sofern man eine ergänzende Regelung für den Bereich der niedergelassenen Ärzteschaft wünscht, sollte man auf die im Rahmen der Einführung der geriatriespezifischen EBM-Ziffern von GKV-Spitzenverband und KBV gemeinsam vereinbarten Qualifikationsvorgaben zurückgreifen. Dort ist festgelegt, dass Fachärzte für Innere Medizin, Allgemeinmedizin oder Physikalische und Rehabilitative Medizin ohne Schwerpunkt- oder Zusatzbezeichnung „Geriatrie“ die spezifischen Ziffern abrechnen können, wenn sie den Nachweis der Behandlung von 100 Patienten im Jahr erbringen, die 70 Jahre oder älter sind und mindestens zwei geriatrische Syndrome aufweisen. Darüber hinaus wird festgelegt:

  • eine besondere geriatrische Qualifikation mit 160 Stunden-Umfang
  • sowie fünf Jahre vertragsärztliche Berufserfahrung
  • und eine zwölfmonatige Tätigkeit in einer medizinisch-geriatrischen
       Einrichtung unter Anleitung eines Geriaters oder Arztes, der die fachlichen
       Genehmigungsvoraussetzungen erfüllt.

Die jetzt in Hessen beschlossene Zusatz-Weiterbildung bleibt hinter diesen Anforderungen zurück, was insbesondere vor dem Hintergrund der immer stärkeren Qualitätsorientierung im Gesundheitssystem äußerst kritisch zu sehen ist. Vielmehr muss die bereits bestehende Grundkompetenz der Hausärzte durch gezielte Fort- und Weiterbildungen weiter gestärkt und darüber hinaus durch eine bundesweit einheitlich ausgestaltete Zusatzbezeichnung Geriatrie sowie einen Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie ergänzt werden.

Der Bundesverband Geriatrie begrüßt, dass auch der Bayerische Hausärzteverband eine sektorale Untergliederung durch die Einführung einer „Ambulanten-Zusatzweiterbildung“ ablehnt.

Er weist jedoch die vom Bayrischen Hausärzteverband geäußerte Kritik an einer grundsätzlichen eigenständigen Qualifikationsvorgabe im Bereich Geriatrie zurück. „Es ist bedauerlich, dass es heute immer noch Verbände gibt, die den Unterschied zwischen einem alten Patienten und einem geriatrischen Patienten nicht wahrnehmen“, so Dirk van den Heuvel, Geschäftsführer des Verbandes. Es stehe außer Frage, dass Hausärzte umfassende medizinische Erfahrungen im Umgang mit alten Patienten haben und bei diesen die Grund- und Regelversorgung übernehmen. Wenn jedoch spezifische geriatrische Probleme bei diesen betagten Patienten auftreten, müsste es – vergleichbar mit in anderen Indikationsbereichen – qualifizierte Spezialisten geben, die mit ihrem weiterführenden Fachwissen den besonderen Versorgungsbedarf abdecken könnten. „Zum Beispiel ist es im Bereich der Kardiologie ein völlig normaler Vorgang, dass der Hausarzt durch EKG und Ähnliches die Grundversorgung bei Patienten übernimmt. Zeigen sich dann weiterführende Behandlungsbedarfe ist es selbstverständlich, dass die Überweisung zum Kardiologen erfolgt – nur in der Geriatrie soll der Hausarzt zugleich der weiterqualifizierte „Facharzt“ sein. „Dies ist fachlich nicht nachvollziehbar“, so van den Heuvel. „In der Versorgungspraxis gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten und Geriatern erfreulicherweise sehr gut, sodass es sich primär um eine verbandspolitische Position des Bayrischen Hausärzteverbandes handelt.“

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